Rezension: Gehirnjoggen mit Dr. Kawashima

Rezension: Gehirnjoggen mit Dr. Kawashima

Das Gehirn besteht aus zu dem zu trainierenden Paritellapen, Frontallappen sowie dem Temporallappen. So zumindest lässt sich die grobe Einteilung des Populärwissenschaftlers Dr. Kawashima deuten. Wenn man den Grafiken sowie pseudowissenschaftlichen Erklärung des Gehirngurus glauben schenken mag, reicht es scheinbar durch ein ausgewogenes Training der drei Bereiche die Synapsen frisch zu halten. Ob das ganze auch Spaß macht und wie sehr sich Erlofgserlebnisse einschleichen, lest ihr im folgenden...

Zunächst einmal legt ihr ein Profil an, welches künftig eure regelmäßige Teilnahmen am Gehirntraining sowie dessen Fortschritt dokumentiert. Dr. Kawashima bietet euch dazu drei Slots, so dass auch verschiedene Personen die Möglichkeit haben, unabhängig voneinander zu trainieren.
Nachdem dies erfolgreich absolviert wurde, begrüßt euch der Doc kurz und bittet euch im folgenden euer sogenanntes "Gehirnalter" zu testen. Dies klingt wilder als es ist, impliziert es doch nur einen ersten Durchlauf eines der Minigames, welches euch im Anschluss, abhängig von Dauer und Leistung, eine -mehr oder minder- nichtsaussagende Zahl preisgibt. So musste ich bei einem ersten Durchlauf schmerzlich feststellen, dass mein Gehirn ganze 58 Jahre alt ist (ich bin 26). Diesen Test könnt ihr jedoch täglich erneut wiederholen, wobei sich mir noch nicht ganz der Sinn darin erschlossen hat.

Weitaus sinnvoller und aussagekräftiger präsentiert sich da das tägliche Gehirntraining. Tatsächlich erlaubt das Programm lediglich einmal pro Tag diesen "Modus" zu absolvieren. Dieser besteht jedesmal aus einer Hand voll Minigames, die eure -eingangs erwähnten- Gehirnareale ansprechen und trainieren sollen. Mit der Zeit lässt sich in einer ständig aktualisierten Grafik nun der Leistungsfortschritt (oder auch die -Abnahme) beobachten. Um hier wenigstens eine nennesnwerte Leistungskurve erhalten zu können, sollte das Training jedoch mindestens eine Woche absolviert werden. Stellt man nun fest, dass gewisse Gehirnlappen tatsächlich zuverlässiger funktionieren als noch vor ein paar Tagen, macht dies Spaß. Zwar sollte man das ganze nicht zu ernst nehmen, gerade unter diesem Aspekt fördert die hiesige Pseudowissenschaft jedoch irgendwie Motivation.

Doch wie sehen diese Minigames aus. Was zunächst mal auffällt (sehr zu meinem Leiden) ist, dass eine Menge Mathematik verwendet wird. Die ersten paar Tage bekommt der 'Schüler' fast ausschließlich kleinere, mehr oder minder kniffelige Rechenaufgaben vorgesetzt. So müssen beispielsweise zu vorgesetzten Zahlen bestimmte Summen addiert werden, Reihen von negativen und positiven Zahlen summiert werden oder aber (besonders gemein!) Würfelrückseiten addiert werden. Dies schafft das ein oder andere Mal tatsächlich ein wenig Frustration, gerade dann, wenn man sich nach der längst vergangenen Schulzeit vor der Mathematik sicher gefühlt hat. So erschleicht sich mir das Gefühl, dass der mathematische Anteil der zu bewältigen Aufgaben ein wenig zu hoch ausfiel.

Aber auch andere Aufgaben kreuzen dann und wann den Trainingsalltag. So stellt ein weiterer größerer Bereich das Erkennen oder Nachbilden von Formen dar. Rotierende, geometrische Figuren fordern beispielsweise das aufmerksame verfolgen farblich ausgeblendeter Ecken.
Auch das Gedächtnis soll geschult werden, so stellt ein weiterer Bereich das Nachbilden von Abläufen dar (beispielsweise von einer Reihe aufblinkender Glühbirnen).

All diese Minigames bestimmen letztendlich die Kondition eures Gehirns. Abhängig von der Dauer sowie der Korrektheit der absolvierten Trainingsaufgaben, bekommt ihr jedesmal Punkte zugeschrieben, die euren täglichen Leistungsgraphen ausmachen. Dabei hinkt der Ablauf manchmal ein bisschen, wenn beispielsweise Aufgaben gefordert werden, die einem weniger liegen als andere. Da hier die Punktwertung selbstverständlich geringer ausfällt, verfälschen 'solche Tage' den Leistungsgraphen, während man in anderen Bereichen diesen zum steigen bringen könnte.

Fazit:
Das größte Problem an 'Gehirnjoggen mit Dr. Kawashima' ist, dass es sich strenggenommen nicht um ein Spiel handelt. So machen bestimmte Aufgaben zwar immer wieder Spaß, andere schaffen jedoch jedesmal erneut Frustration und fangen auf Dauer an zu nerven. So kämpft die App mit dem Problem, dass sie irgendwie in Arbeit auszuufern drohen könnte, gerade dann, wenn ich nunmal keine Lust habe ein x-tes mal unzählige Reihen von Zahlen zu addieren. Wie erwähnt ist der Anteil an mathematischen Trainingsaufgaben zu sehr vertreten und mindert so ein wenig die nötige Abwechslung.
Was Spaß macht, ist den Leistungsfortschritt zu beobachten. Auch wenn man sich der Pseudowissenschaft dessen bewusst sein sollte, schafft ein stetiger Anstieg der Leistungskurve irgendwie Motivation und schafft es teilweise sogar ein Gefühl von "ach.. heute hab ich noch kein Gehirntraining gemacht" zu erzeugen. Gerade dies verleiht dem Titel wiederum einen gewaltigen Schub an Langzeitmotivation.
Bleibt eigentlich einzig die fehlende Abwechslung bzw. die zu geringe Auswahl an unterschiedlichen Minigames zu bemängeln.
Gesamtwertung: 
3

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