Rezension: Let's Golf

Rezension: Let's Golf

Mit dem Golfsport ist es so eine Sache: Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Entweder löst er absolute Faszination aus, oder aber die pure Langeweile. Das leidige Thema.. schwarz oder weiß, ja oder nein, eins oder null. -So dachte ich bisher-
Kürzlich hat EA seinen Golfschößling Tiger-Woods auf den Markt gebracht und damit einen gewagten Schritt in Richtung Messlatte getan. Höchste Zeit, sich mal den längst verfügbaren, vielzitierten und bereits zahlreich umjubelten, direkten Konkurrenten Let‘s Golf, aus dem Hause Gameloft anzuschauen. Auf den ersten Blick scheinen sich die beiden Titel unter dem Aspekt der Simulationslastigkeit zu unterscheiden. Ob es sich bei Let‘s Golf tatsächlich aber nur um ein pur- Arcadelastiges, Fun-orientiertes Spiel für zwischendurch oder aber einer ebenbürtigen Simulation handelt, und wie sich das ganze spielt, lest ihr im folgenden.

Der Spieler beginnt -nach einem netten Rendervideo- in einem kleinen Auswahlmenu, in dem er sich für eines der vier Spielmodi entscheiden kann. Während das „Schnellspiel“ sowie die „Freie Lochwahl“ eigentlich nur die unterschiedlichen Möglichkeiten bieten, auszuwählen welche Löcher gespielt werden - oder eben nicht, sich am grundlegenden Spielablauf jedoch nicht viel ändert, existieren weiterhin noch die Modi „Mehrspieler“ sowie „Turnier“. In letzterem ist es nun möglich eine virtuelle Meisterschaft, gegen imaginäre NPC Gegner zu spielen. Zwar sieht man die Ausführungen derer Spielzüge nicht, bekommt jedoch stets eine Punktewertung eingeblendet. Als Belohnungen können schließlich weitere Golfplätze für die Turniere sowie Ausrüstungsgegenstände für die Golfer freigeschaltet werden.

Aber fangen wir von vorne an. Nachdem man sich nun für eines der Modi entschieden hat, geht‘s zunächst mal zur Auswahl eines geeigneten Golfers. Hierfür stehen vier verschiedene, lustig-anzuschauende Charaktere zur Verfügung. Alle bieten dabei verschiedene Attribute bzw. Stärken, die sich z.B. in Schlagkraft und Präzision unterscheiden. Welchen Golfer man nun letztendlich auswählt, scheint für den Spielablauf jedoch relativ irrelevant zu sein.
Im nächsten Schritt -je nach Spielmodi- geht es nun darum einen geeigneten Golfplatz auszusuchen. Hierfür stehen wiederum 4 Stück zu Verfügung, die mit maximal 18 bespielbaren Löchern einen netten Umfang bieten. Hat man nun auch dies erledigt, befindet man sich im Folgenden mitten in der Botanik. Nach einer kurzen Kamerafahrt über das jeweilige Loch, ist endlich das Können der eigenen Golfkünste gefragt. Doch wie funktioniert das..?

Hierzu stellt die Simulation fast schon mehr Möglichkeiten zur Verfügung, als eine ehr Arcade-lastige Umsetzung benötigt hätte. Aber eben nur „fast“. So findet man sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in die Unterteilung zwischen „Schlägerwahl“, „Schlagrichtung bzw. -ziel“, „Kartennavigation“ sowie dem eigentlichen Steuerungsinstrument schnell zurecht. Dies läuft für gewöhnlich stets in der gleichen Reihenfolge ab: Schläger für Distanz auswählen, Auf der Karte zum angepeilten Ziel navigieren, evt. noch kleine Richtungskorrekturen vornehmen und anschließend die Ausführung des Schlags. Diese erfolgt in einer Art „Beschleunigungsmeter“, wie man sie von Golfsimulationen gewöhnt ist. Dabei wird im ersten Schritt die Intensität des Schlages festgelegt, sowie beim Zurückfallen des Meters die Genauigkeit der angepeilten Richtung ermittelt. Während des Ballflugs kann dieser nun noch per eingeblendetem Instrument „angedreht“ werden. Auch wenn das ganze auf den ersten Blick ein wenig kompliziert aussieht und vllt. etwas erschlagend wirkt, hat man doch nach kurzen Testphasen den Dreh raus. Wer überhaupt keine Lust auf „Feintuning“ hat, kann im übrigen die stets fast korrekte Schläger- und Richtungsauswahl unangetastet lassen und lediglich den Schlag ausführen. Dies empfiehlt sich jedoch, gerade beim präzisiösen Putten nicht wirklich und nimmt auf die Dauer auch den Spaß aus der ganzen Angelegenheit.

So kann sich die Steuerung uneingeschränkt als gelungen Bezeichnen lassen, ist es doch vorzüglich gelungen den Grad zwischen Präzision, Willkür und Kontrolle auf einem Touchscreen umzusetzen und dies ohne den Spieler zu überfordern. Und das sich dieses Medium gerade in dem Bereich als problematisch herausstellt, haben wir schon des öfteren erlebt.
Sowieso macht das Abschlagen und Putten ungemein viel Spaß. Während man in den ersten Zügen noch ein wenig die Steuerung erforscht und die Physikengine kennenlernt, findet man sich schnell in -immer mehr Löcher umfassenden- Golfmatches wieder, stets auf der Jagd tiefer unter Par zu kommen.
Das dieser -ehr dröge- Sport zu solch einem Funfaktor führen kann, hat das Spiel zweierlei Umständen zu verdanken: Zum einen macht die grafische Gestaltung eine Menge aus. Schnell wird hier klar, dass Gameloft den Golfsport an sich leicht auf die Schüppe nimmt. Ohne es hiermit zu übertreiben, kommen kleine Nuancen ganz klar charikierend heraus, bspw.. dann, wenn der Golfer „Jack“ in klassischer Baskenmütze und Schwiegermutter-Polunder auf dem Platz steht. Oder aber wenn das letzte, finalisierende Putten nicht wirklich gelingt und sich der Golfer nach einem Bogey niedergeschmettert auf die Knie wirft. Diese ganze Optik und erzeugte Atmosphäre hat fast schon etwas von dem klassischen Mario-Kart oder Mario-Party -Witz, ohne dabei in irgend einer Weise diese kopieren zu wollen.

Zum anderen vermittelt das Gameplay eine derartige Leichtigkeit, und Unbeschwertheit, dass es fast schon süchtig macht. So ist es gerade der Umstand, dass sich der Spieler frei entscheiden kann, ob er ehr simulationslastig am jeweilgen Schlag „schrauben und feilen“ möchte oder aber lediglich kurz mal Abschlagen möchte und damit ebenfalls ein akzeptables Ziel erreichen kann.

Grafisch kann der Titel -wie schon erwähnt- vollends überzeugen. Neben den charikierenden Elementen, kommt auch die voll-Funktionsfähige 3D-Engine gut zum Einsatz. So begleitet jeden Schlag eine aufwändig gestaltete Kamerafahrt über die wunderschön gestalteten und mit vielen Details bespickten Plätze. Einzig und allein die Golfer sehen bei genauerem Hingucken ein kleines bißchen zu kantig aus, was im grundegenommen aber auch nicht weiter stört.

Noch kurz zwei Sätze zum Mehrspielermodus: Während dieser auf iPhone/iPod Touch bisher ehr immer wenig Beachtung fand, lässt sich Let‘s Golf auch gegeneinander Spielen. Dies funktioniert zwar nicht über eine bestehende Internetleitung, dennoch aber drahtlos über zwei miteinander verbundene Geräte. Zwar fehlte mir die Möglichkeit dies auszuprobieren, allein die Verfügbarkeit dessen sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben.

Fazit:
Ein Golfspiel mit hervorragender Bewertung also. Kann sowas sein!? Ja es kann. Let's Golf macht überhaupt nicht den Eindruck eines angestaubten oder langweiligen Spielprinzips sondern kehrt dieses ins Gegenteil um, und erreicht durch Witz, eine hervorragenden Steuerung sowie einer wunderschönen Präsentation ein tolles Spiel. Wer sich vor dem drögen Sport fürchtet oder diesem bisher kaum beachtung geschenkt hat, könnte hierdruch zu einer neuen Leidenschaft kommen. Zwar wird es wohl kaum zum Golfprofi reichen, für ein bißchen Spaß auf virtuellem Wege ist der Titel aber mehr als prädestiniert.
Auch wenn sich nach einiger Zeit ein kleines bißchen die Monotinie einschleicht, bleibt der Fun-Faktor eigentlich nie aus. Absolut empfehlenswert!
Gesamtwertung: 
5

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