Rezension: Peggle
Lange bin ich um den Titel mit dem vermeintlich langweiligen Spielprinzip herum geschlichen. Zu dröge sahen mir die Grafiken aus, zu altbacken das voraussichtliche Minigame-Konzept und zu sehr "kennt-man-doch-schon" erschien mir das Spielprinzip. Während sämtliche Konkurrenz-Blogs mit himmelhochjauchzenden Kritiken und Lobgesängen um sich schmissen, schien mir mein Geld anderweitig besser aufgehoben zu sein. Bei der kürzlichen Reduzieraktion auf 0,79€ (leider schon vorbei!), habe ich dem Teil dann doch eine Chance gegeben und wollte mich eines Besseren lehren lassen. Inwiefern dies gelang, lest ihr im folgenden...
Peggle beschreibt ein eigentlich simples Gameplay. Mit kurzen Worten beschrieben, kann man sagen, dass es ausschließlich darum geht eine Kugel durch ein Feld verschiedenfarbiger Kugeln zu "schießen" und dabei möglichst viele Kugeln einer bestimmten Farbe zu berühren. Punkt! Das war's. So sah ich mich innerhalb der ersten paar Spielminuten eigtl. mehr als bestätigt in meinem Vorurteil, und konnte wenig Innovatives finden.
Doch, wie das Sprichwort so schön sagt: der Teufel steckt im Detail. Und es gibt wohl kaum ein Spiel bei dem diese Floskel mehr zusagt als Peggle. Was als simples hin-und-her schießen einer Kugel beginnt, entpuppt sich schnell als zielgenaues Abschätzen von Einfallswinkel x Ausfallswinkel und präzisiöses Kombinieren von möglichst vielen "Kugelberührungen". Das Ziel ist es stets alle orangefarbenen Kugeln mit der eigenen Kugel 1x zu berühren. Dabei stellen sich einem blaue Kugeln in den Weg. Bereits berührte Kugeln verschwinden zwar, jedoch hat der Spieler Pro Level lediglich 10 Kugeln zum verschiessen zur Verfügung. Kugeln retten kann man, indem diese -meist zufällig- in den "Schlund" fallen, welcher am unteren Bildschirmrand periodisch hin-und-her fährt.
Aber wo genau ist nun der erwähnte Detailgrad vorzufinden. Hier ist das Spiel mit seinen irrwitzigen und zu jederzeit motivierenden Einlagen einfach unschlagbar. Zunächst mal ist jedes Level anders gestaltet und fordert -wenn auch das Ziel gleich bleibt- eine andere Herangehensweise. So wundert man sich bspw. wenn die zu beseitigenden Kugeln auf einmal dreidimensional im Raum rotieren, während jegliche vorherigen Level lediglich 2D abliefen. In bestimmten Intervallen ändert sich sozusagen der Charakter mit dem man spielt. Hier werden stets witzige Tierchen wie Hamster, Hasen, Vögel oder Einhörner vorgestellt. Diese Tiere (also die Charaktere) bieten jedesmal eine bestimmte Funktion an, die ausgelöst wird, nachdem die seltenen grünen Kugeln angeschossen werden. So wird einem beispielsweise der direkte Ausfallswinkel angezeigt, der untere "Schlund" vergrößert oder eine Explosion in einem geringen Radius erzeugt usw.
Der Supergau aber, und spätestens hier wird klar, dass die Entwickler einen an der Waffel haben, stellt das Szenario nach einem erfolgreich beendeten Level dar. In dermaßen übertriebener Hysterie und Euphorie wird einem mit Feuerwerkt begleitet in tösendem Lärm die "Freude schöner Götter Funken" - Symphonie eingeprügelt. Das gleicht im Eindruck ehr einer Supernova als einem Levelende, macht gerade deswegen aber einen irren Spaß. Begleitet wird das ganze durch den konfusen Schriftzug "Extreme Fever".. köstlich!
Gesteuert wird das ganze Hauptsächlich durch die Rotation der Schussvorrichtung auf dem eigentlichen Spielfeld. Am rechten Bildschirmrand befindet sich quasi noch ein Feintuning Werkzeug, welches -auch durch Zoom unterstützt- zielgenaue Schüsse ermöglicht.
Grafisch sieht der Titel zwar auf den ersten Eindruck relativ simpel aus, versteckt aber auch hier mit netten Lichteffekte, schönen Spezialfunktionen (grüne Kugel!) und stets abwechslungsreichen Level Aufbauten eine Menge Details.
Ich habe mich also eines besseren belehren lassen. Mit Peggle ist den Entwicklern als Mischung aus Billard, Flipper und Bowling ein ganz eigenes Gameplay gelungen. Ähnlich wie Trism (unabhängig vom Spielprinzip) macht der Titel unheimlich süchtig und stellt eines der Spiele dar, bei dem einem ein "Der Akku liegt bei 20%" darauf aufmerksam macht, wie lange man schon das Display malträtiert. Zwar handelt es sich irgendwie um ein Minigame, fördert durch seine vielen knackigen Details sowie der hübschen Präsentation aber eine Menge Motivation! Arcade Freunde aufgepasst..
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