Rezension: Real Football 2009

Rezension: Real Football 2009

Fußball: Der Volkssport der Deutschen.. ach was rede ich.. der Volkssport der Europäer. Kaum eine Sportart hat es zu derartiger Popularität geschafft wie dieser. Keine mir erdenkliche Sportart beschreibt ein derartig umfangreiches Netzwerk an internationalen und nationalen Ligen, Meisterschaften und Turnieren. PC- sowie Konsolen Umsetzungen gibt es schon seit den frühesten Stunden der Videospielebranche. Mir ist kein System bekannt auf dem es nicht wenigstens 2-3 unterschiedliche Möglichkeiten gab, virtuell das Leder von einer Spielhälfte zur nächsten zu kicken. So nun auch auf dem iPhone bzw. iPod Touch. Bisher zwar ehr mager vertreten, beschreibt die -schon etwas länger erhältliche- Fußballsimulation 'Real Football 2009' von Gameloft einen ernsten Versuch diesen Sport auch per Touchscreen und in mobiler Form zu realisieren. Inwiefern das ganze gelungen ist, lest ihr -wie immer- im folgenden:

Zu Beginn hat der Spieler die Möglichkeit sich zwischen einem Freundschaftsspiel oder einer der fünf verschiedenen Spielmodi Cup, Liga, Elfmeter, Training oder Pokale zu entscheiden. Während wir nicht lange rumfackeln und direkt ins Spielgeschehen einsteigen möchten, wähle ich kurzerhand ein Freundschaftsspiel aus, entscheide mich für eines der Teams, die sich -insgesamt sehr zahlreich- aus Nationalmanschaften sowie klassischen Liga-Teams einiger ausgewählter Länder zusammensetzen, lege Spielkonditionen, mein Trikot sowie Aufstellung und Auswechslungen fest. STOP... Hypotaxe.
Was hier bereits deutlich wird ist die schier unmenschliche Fülle an Optionen die das Spiel bietet. Bin ich mit den oben aufgeführten Schritten schon den direktes-möglichen Weg richtung Match gegangen, beschreiben etwa die anderen Spielmodi oder die Manschaftskonfigurationen ein weitaus tieferes Geflecht an Menus und Einstellungen. Aber das soll uns erstmal nicht kümmern..

Nachdem wir uns also für zwei rivalisierende Teams entschieden haben und die kurze -in Spielgrafik gehaltene- Kamerafahrt über das Stadion geskipt haben, geht's los. Und hier kommen wir unausweichlich bei der Steuerung an: Zunächst mal: es gibt ein Steuerkreuz. Das dieses auf einem ebenen Touchscreen nicht ganz unproblematisch ist, ist nichts neues, stellt sich hier aber noch als relativ funktionstüchtig heraus. Das eigentliche Problem hier ist ehr physischer Natur. Da der stetige Spielfluss sowie die durchgehende Notwendigkeit der Aufmerksamkeit ein Absetzen des linken Daumens eigentlich nie erlauben, erhalten wir nach wenigen Minuten eine ziemlich nass-speckige, später stumpfe untere linke Display-Ecke. Dafür kann das Spiel nichts, beschreibt ein grundlegendes Touch-Screen Problem, sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben.

Der ballführende oder aber auch defensive Spieler wird so zunächst problemlos über den Rasen navigiert. Ein wenig knifflig ist die 'Rennen'-Steuerung. Um ein Sprint zu ermöglichen, muss das Steurkreuz zweimal schnell hintereinander in die entsprechende Richtung ge-'tappt' werden. Das ist eigentlich nicht besonders wild, stellt sich bei schnelleren Manövern jedoch als etwas träge heraus und resultiert leider ab und zu in schlichtem Stillstand des Spielers.

Schließlich gibt es noch die beiden Buttons 'A' und 'B'. In klassischer GameBoy Manier, hält sich Gameloft hier dezent an eine minimalistische Auswahl. Das ist auch gut so! Fällt es zunächst zwar ein wenig schwer jegliche Bewegungsabläufe, Passsituationen oder Schussstärken anhand von zwei Buttons umzusetzen, hilft ein Blick in die Steuerung aber schnell sich an die wichtigsten Manöver zu gewöhnen und diese bald automatisiert ausführen zu können. So wird ein Lupfer-Pass (der hier in etwa einer Flanke entspricht) beispielsweise durch das Tippen und -nach links ziehen des 'B'-Buttons bewirkt. Ein extra Button oder gar eine Kombination mehrerer wäre hier schlicht unnötig und -gerade auf einem Touchscreen- nahezu unspielbar gewesen. So tun die Entwickler gut, sich auf lediglich zwei Knöpfe zu beschränken.

Weniger intuitiv ist die Spieler-Wechsel Funktion gelöst. Um dies zu realisieren wird schlicht auf einem Bereich im Spielfeld, nahe dem Ball getappt. Dies funktioniert einerseits ziemlich unzuverlässig und undifferenziert und stellt sich andererseits als unergonomisch heraus. Da sich beide Daumen eigentlich ständig am unteren Bildschirmrand, über dem Steuerkreuz sowie den Buttons befinden, ist es ein wenig umständlich einen dieser, ständig über das gesamte Display bewegen zu müssen.
Auch die automatische Spielerauswahl ist nicht besonders intelligent gelöst, was dem Gameplay in einigen Fällen leider schadet. So kommt es des öfteren vor, dass der gegnerische Angreifer geradewegs aufs Tor zuläuft und mir die verfügbaren Defensiv Spieler entweder gar nicht oder viel zu spät ausgewählt werden. Bis ich dann meinen Daumen in den entsprechenden Bildschirmbereich bemüht habe, vergeht leider viel zu viel Zeit und endet nicht selten in einem Gegentor. Sollte es mir jedoch gelungen sein rechtzeitig einen verfügbaren Abwehrspieler ausgewählt zu haben, ist es alles andere als einfach, den anstürmenden Gegenspieler irgendwie zu treffen.. hier stellt sich die Navigation als viel zu ungenau heraus.
Aber auch Offensiv entpuppt sich die gegnerische Abwehr des öfteren als sehr träge. So fällt es mir auch im eigenen Angriff nicht besonders schwer geradewegs durch eine Lücke in der Defensive vor dem Tor zu sprinten. Das mag das ein oder andere mal Spaß machen, stellt sich ganz schnell jedoch als klare KI Schwäche heraus.

Atmosphärisch ist der Titel zwar ansatzweise gelungen, weist in elementaren Bereichen jedoch auch Schwächen auf. So kann die Simulation von Fan-Chören (repräsentiert als stetiges Rauschen) zwar irgendwie Stadion Stimmung erzeugen, ein Kommentator fehlt jedoch gänzlich. Zwar muss man immer im Auge behalten, dass es sich um einen Handheld Titel handelt.. aber unmöglich wäre eine etwas authentischere Sound Untermalung sicher nicht gewesen. Desweiteren sind nicht lizensierte Namen natürlich immer ein Atmo-Killer. So klingt ein Bolok, Potowski oder Mortocakor zwar irgendwie witzig, zerstört aber leider ganz schnell die Illusion sich in einem waschechten Fußballspiel zu befinden.

Auch grafisch gibt es leider einiges zu bemängeln. Zwar kann man dem Spiel zugute halten, dass es eine 'vernünftige' 3D Engine nutzt, bei der detaillierteren Betrachtung dieser, kräuseln sich einem jedoch die Fingernägel. Allen voran die Darstellung der Spieler: Kantig ohne ende, eine minimale Anzahl an Polygonen und schwebende Gliedmaßen. Auch die Umgebung könnte sich kaum trister präsentieren: eintönige, schwammige Texturen sowie enormes Kantenflimmern trüben die Optik. Da fragt man sich, warum auf soetwas wie die Schattenbildung wert gelegt wurde, während die elementare Präsentation schwächelt.
Hier wieder: es handelt sich um ein Mobile-Game und dass hier Äpfel nicht mit Birnen verglichen werden können, ist klar. Das es aber auch besser geht, zeigen unzählige Vertreter wie Let's Golf, Sim City, Real Racing, Deer Hunter 3D oder Terminator: Salvation.

Fazit:
Unterm Strich muss man sagen, dass das Gameplay zwar teilweise schwächelt und auch die KI in einigen Fällen nicht wirklich nachvollziehbar arbeitet, der eigentliche Spaß dadurch aber nur bedingt auf der Strecke bleibt. Eine wirklich ernstzunehmende Fußballsimulation kann man -zumindest was das Gameplay angeht- zwar nicht erwarten, für ein bißchen 'Kicken Zwischendurch' bietet der Titel jedoch ausreichen Vergnügen. Tiefgründiger wird's dann in den zusätzlichen Spielmodi, die mit einer unzähligen Fülle an Einstellungsmöglichkeiten punkten können...
Steuerungstechnisch ist -nach einer kurzen Eingewöhnungsphase- fast alles richtig gemacht worden, was schon ein großes Plus darstellt. Einzig der Spielerwechsel stellt sich als leicht umständlich heraus.
Wirklich enttäuscht hat mich jedoch die Grafik. Hier geht's richtig in den Keller. Da kann auch die Dreidimensionalität nicht drüber hinwegtrösten. Vllt. hätte man sich doch besser für eine ordentliche Vogelperspektive entscheiden sollen, anstatt einem hier Pixelbrei und Kantenflimmern en-masse zu präsentieren.
Gesamtwertung: 
3

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