Rezension: Zenonia: 'Textadventure trifft Zelda'
Lange haben wir darauf gewartet, entsprach Zenonia doch schon Monate vor seiner Veröffentlichung der vermeintlich perfekten Rollenspiel-Variante für iPhone/iPod Touch. Während geringere Vertreter wie Dungeon and Hero und Chronicles of Inotia irgendwie nie so richtig überzeugen konnten, lastete die Hoffnung eigtl. einzig und alleine auf einem Titel. Hat sich das warten gelohnt...?
Während wir die mageren 9,6 MB gierig aus dem AppStore schlabbern, kommen die ersten Gefühle, gemischt von Euphorie und Angst vor der Enttäuschung auf. Wird der Titel die hohen Erwartungen erfüllen können, oder ähnlich wie Car Jack Streets als Hoffnungsträger Nr. 1 partiell enttäuschen? Prognosen beiseite, Spiel gestartet.. los geht's..
In einem unglaublich langen Intro erfahren wir zunächst wieder einmal das alte Lied: Bösewicht besiegt, mysteriöses Kind gerettet, Kind wächst auf, Bösewicht will's haben! Wen spielt ihr..? Selbstverständlich das Kind (Regret). Bis wir einen gefühlten Roman an Dialogen gelesen haben, unsere Charakterklasse festgelegt haben und schließlich ins Spielgeschehen eintreten dürfen, vergeht eine halbe Ewigkeit. Bis zu diesem Zeitpunkt lässt sich das aber noch unter dem Aspekt der "Atmosphären-Schaffung" abstempeln.
So beginnt ihr als herangewachsener Naseweis in einem kleinen Dorf (inhaltstechnisch soll hier nicht allzu viel verraten werden) und müsst euch fortan aufmachen hier und da kleinere Aufgaben zu lösen. Während ihr, genretypisch, Nebenquests von herumstehenden NPC's annehmen könnt, existiert zu jeder Zeit ein roter Faden in Form von Hauptquests. Dabei bietet das Menu stets eine klare Übersicht zu offenen Quests sowie deren Erläuterungen und Ziele.
So müsst ihr -zum Aufwärmen- beispielsweise simple Botengänge tätigen oder eine gewisse Anzahl bestimmter Gegnertypen 'abmetzeln'. Diese Form der Subquests begleitet euch jedoch -mehr oder weniger- durchs ganze Spiel.
Ab und an tauchen hier und da mysteriöse Charaktere auf, die euch in irgend einer Weise an den Kragen wollen oder aber mindestens an eure Vergangenheit bzw. Herkunft erinnern. Dieser Part wiederum erzählt die Hauptstory.
Während sich selbstverständlich eure Erfahrungspunkte durch das Abschließen von Quest erhöhen, habt ihr diverse Möglichkeiten die Reife eueres Charakters zu Verbessern. So lassen sich eure verschiedenen Attribute wie 'Health' oder 'Agility', sowie bestimmte Fertigkeiten ständig verbessern. Letzere könnt ihr -in einem Slot abgelegt- im Kampf einsetzen. Auffällig ist hierbei der hohe Grad der verschiedenen Möglichkeiten zur Anpassung eures Charakters.
Aber auch ein Inventar existiert natürlich, in dem ihr euren Schützling nach belieben einkleiden bzw. Rüsten könnt.
Bis hierhin kommt das Grundgerüst also als waschechtes Rollenspiel daher.
Was sofort auffällt, ist die archaische Bedienung. Während sich der Held noch in -iPhone/iPod Touch -typischer Steuerkreuz-Manier- maneuvrieren lässt, kommt das gesamte Interface leicht retrospektiv daher. Dies jedoch weniger vom Design, als von der Bedienung her. So ist man des öfteren versucht die Vorzüge des Touchscreens zu nutzen, muss sich jedesmal aber wieder daran erinnern, dass dieses hier so spärlich wie selten funktioniert. So lassen sich fast ausschließlich das Steuerkreuz, sowie ein 'Aktions-Button' be-'touchen'. Jegliche sonstige, nötige Navigation läuft über diese beiden Elemente ab. Möchte man beispielsweise ein Quest durch die Schaltfläche "Yes" annehmen, nützt es nichts, dieses an zu tappen. Das Steuerkreuz navigiert die Markierung -wenn man so will- dahin, der Aktionsbutton wählt dieses aus. Genauso funktioniert die gesamte Navigation durch die -teils sehr komplexen- Menus. Dies ist insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig, erinnert aber positiv an alte GameBoy Zeiten.
Steuerungstechnisch macht der Titel jedoch alles Goldrichtig. Gerade das immer wieder auftretende Problem von ungenauen Steuerkreuzen, kriegt Zenonia wunderbar in den Griff, indem umliegende Gegner automatisch anvisiert (attackiert) werden oder aber auch Hindernisse automatisch umlaufen werden. Einzig die Slots der abgelegten Fertigkeiten oder die einzelnen Elemente im Inventar sind ein wenig klein ausgefallen, lassen sich jedoch auch noch recht zuverlässig ansteuern. Letztere lassen sich dabei ohnehin nicht per Touchscreen auswählen.
Auch bzw. gerade grafisch ist Zenonia eine reine Augenweide. In typischer NES Rollenspiel Manier, a-la Zelda oder Secret of Mana bewegt ihr euch in isometrischer Perspektive über wunderschön detaillierte Landschaften und Städte. Dabei begegnen euch ständig andere NPC's oder Gegnertypen, die die gesamte Welt sehr belebt erscheinen lassen. Dabei ist das Design durchgehend im Manga-Stil gehalten, kommt aber nicht zu aufdringlich daher.
Im Kampf könnt ihr eure Fertigkeiten einsetzen, die nicht selten den gesamten Bildschirm mit einem Effektfeuerwerk überziehen.
Das Menu sowie die Menuicons sind insgesamt zwar etwas klein ausgefallen, stören aber keineswegs den Gesamteindruck.
So macht der Titel eigentlich alles Goldrichtig, wäre da nicht eine Sache: Die Dialogisierung! Schon das Intro kommt mit einer Menge Text daher und fördert leichte Ungeduld. Das sich dies aber im Verlauf des Spiels nicht ändert ist leider sehr störend. Zwar kann der Verzicht auf vertonte Dialoge durchaus nachempfunden werden (dürfte den Rahmen sprengen), den Spieler jedoch derart quälend bei jedem -noch so kleinen Nebenquests- mit halben Romanen zu bombadieren ist einfach nur nervig. Dies führt zum einem zum sehr enormen Motivations-Verlust und zum anderen dazu, wirklich elementares zu 'überskippen'. Hier hätte man deutlich kürzen müssen und die Gespräche mit den NPC's sowie die Zwischensequenzen wirklich auf ein minimal Essenzielles (z.B. keine Gedanken!) beschränken sollen. Das hierunter der Spielfluss leidet, sowie diverse Längen in der Story auftreten, verwundert da nicht.
So beschreibt Zenonia ein durchaus gelungenes Rollenspiel, welches seines gleichen auf dem iPhone/iPod Touch sucht. Der Komplexitätsgrad, die archaische Steuerung, die wunderschöne Grafik sowie der Spielumfang können allesamt überzeugen und geben dem Titel eine Sonderstellung im AppStore. Vergleichbare Rollenspiele sind de-Facto bisher nicht erhältlich.
Leider jedoch hat der Titel mit einem relativ zähen Spielfluss sowie immer wieder auftretenden Längen zu kämpfen. Dies ist zum einen das sehr lästige Dialog-System und zum anderen die Gestaltung der Quests schuld. So kommt einfach keine richtige Spannung geschweigedenn Motivation auf und beschert dem Titel irgendwie einen 'Never-Ending' Platz auf dem Springboard. Dies ist letztendlich auch der Grund, warum der Titel haarschaf an einer 5-Sterne-Wertung vorbeirauscht.
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